Im Urlaub macht man sich ja manchmal so seine Gedanken. Mir zumindest ging eines Morgens das eine oder andere ziemlich unsortiert durch den Kopf – als mir unvermittelt auffiel, dass ich in diesem Jahr sehr viel ruhiger und zufriedener geworden bin. Und das liegt – das war mir sofort klar – ganz viel daran, dass ich wieder mehr in mir ruhe. Und das wiederum wird sehr gefördert dadurch, dass ich immer wieder versuche, im Hier und Jetzt zu leben.
Wie das konkret aussieht, das erlebte ich im Urlaub immer wieder. Vielleicht geht es dir ähnlich: du hast gerade einen oder zwei Tage Urlaub, und schon taucht wie eine dunkle Wolke am Horizont die Ahnung auf, dass diese schöne Zeit nicht ewig gehen wird. Dass jeder Tag dich dem Augenblick näher bringt, an dem du wieder die Sachen packen und heimfahren musst.
Aber ich habe in den vergangenen Monaten gelernt, dass ich eine Wahl habe. Ich kann mich den Gedanken hingeben, ihnen nachgehen. Die Folge davon ist eine zweifache: erstens macht mich das traurig und unzufrieden, und zweitens lebe ich dann eigentlich gar nicht mehr wirklich. Mit meinen Gedanken, meiner Aufmerksamkeit bin ich nicht mehr in der Gegenwart, im “Hier”, im “Jetzt”, im “So”, werde vielmehr von dem gefangengenommen, was ich mir als die Zukunft vorstelle. Aber diese Zukunft gibt es nicht. Es gibt nur das Hier und Heute, in dem ich wirklich leben kann. In dem ich zufrieden sein kann, ja: glücklich über das Geschenk dieses Tages, dieser Stunde, dieser Tasse Kaffee, der Schwalben, die hoch über mir Insekten jagen.
Immer wieder kam mir der Gedanke an das Ende des Urlaubs. Und während ich früher diesen Gedanken nachgab oder sie in etwas helleren Augenblicken auch verdrängte, trat ich jetzt immer wieder ganz bewusst in die Gegenwart zurück. Dieser Schritt, das ist das Schöne, öffnete mir ganz automatisch jedes Mal die Augen, so dass ich wirklich sehen konnte. Er brachte mich immer sofort zu einer echten Ruhe. Durch diesen kleinen Schritt zurück aus der vorgestellten Zukunft kam ich jedes Mal auch zurück zu mir. Und auch wenn es sich vielleicht etwas eigenartig anhört: das ist wirklich etwas Schönes, mir selbst zu begegnen. Zu spüren, wie ich lebe, wie ich liebe, ja, wie Energie in mir pulsiert.
Diesen Schritt zurück zu mir empfinde ich als etwas ganz Anderes als einfache Verdrängung trüber Gedanken. Ich drücke diese Gedanken nicht weg. Ich bin mir jeden Tag mehr bewusst, dass der Urlaub zu Ende gehen wird. Ich leugne das nicht vor mir selbst. Aber ich tue etwas anderes: ich lasse den Gedanken stehen, richte aber dann meine Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Augenblick, und beginne, zu leben.
Das war ein Beispiel aus dem Urlaub. Aber so habe ich es in diesem ganzen Jahr immer häufiger geschafft, zurückzukommen zu mir. Und das, so wurde mir an jenem Morgen bewusst, hat grossen Anteil am Geheimnis meiner Ruhe und Zufriedenheit.
Und so bin ich seit einer Woche zurück im Arbeitsleben. Ich sitze im Büro, löse Probleme, spüre wieder den Stress, die Anforderungen – und versuche immer wieder, diesen Schritt zurück zu gehen, und in der Situation wirklich zu leben, in der ich gerade bin.
