Anschliessend an den letzten Eintrag in diesem Blog ein Zitat von Karin Johne, aus ihrer “Einübung in christliche Mystik”. Sie nimmt Bezug auf den christlichen Mystiker Meister Eckehart, der um 1300 lebte und lehrte:
Meister Eckehart betont in immer neuen Versuchen die Wichtigkeit, Gott im “Nun”, im gegenwärtigen Augenblick zu finden, anders ist es überhaupt nicht möglich – ebenso nur dort, wo ich gerade bin, im “Hier” – und auch nur in dem Zustand, in dem ich mich in diesem Augenblick vorfinde: im “So”. Nur der jetzige Augenblick gehört mir wirklich – auch in meinem geistlichen Leben. Jedes “wenn – dann” ist gefährlich. (S. 41)
Nur jetzt kann ich Gott begegnen: mit all dem, was ich heute schon hinter mir oder noch vor mir habe. Wenn ich nur davon träume, morgen für Ihn Zeit zu haben, verpasse ich Ihn heute.
Nur hier kann ich Ihm begegnen, wo immer ich gerade bin: zu Hause, im Büro, jetzt gerade vor meinem Computer. Besondere Orte können hilfreich sein: eine stille Kapelle, eine Bank in den Bergen, meine Gebetsecke zu Hause; so erfahre ich das selbst immer wieder. Aber mein Leben geschieht zum grössten Teil nicht an diesen besonderen Orten. Meinem Gott kann ich nur hier begegnen, wo ich gerade bin.
Und vielleicht am wichtigsten: nur so wie ich bin kann ich Ihm begegnen – mit all meiner Unruhe, meiner Getriebenheit, mit all den Punkten in meinem Leben, an denen ich mich unperfekt empfinde, wegen denen es mir schwerfällt, mich als liebenswert zu akzeptieren. Nur genau so wie ich gerade bin kann ich Ihn erfahren. Meine ich, warten zu müssen, bis ich perfekter bin, bis ich mehr innere Ruhe habe, bis ich heiliger bin – werde ich Ihn und damit mein Leben verpassen.
